Belagsmischung, Scheiben und Bremsanlagen erklärt

Scheibenbremsen: Woher kommt die Bremspower?

22. September 2020
Scheibenbremsen: Woher kommt die Bremspower?

Scheibenbremsen sind an Fahrrädern jeglicher Art mittlerweile etabliert. Die bessere Performance bei Nässe und erhöhte Bremspower haben die Felgenbremsen klar ausgestochen, doch gibt es selbst unter den Scheibenbremsen selbst große Differenzen was Power, Dosierbarkeit und Standhaftigkeit angeht.

Gerade im Zeitalter von verhältnismäßig schweren E-Bikes wird eine vernünftige Bremsanlage immer wichtiger. Das hohe Eigengewicht kann eine Bremsanlage auf längeren Abfahrten schon an die Grenzen bringen und das auch ohne dass extreme Geschwindigkeiten gefahren werden.

Als kleiner Disclaimer muss dazu gesagt werden, dass selbst die stärkste Bremse bei falscher Technik heiß gebremst werden kann. Dauerndes schleifen lassen der Bremse erzeugt Hitze, die sich nicht abbauen kann, wenn die Bremse nie gelöst wird und die Bremsbeläge dauernd an der Scheibe anliegt. Aktives, stärkeres Anbremsen vor Kurven und lösen der Bremsen an Stellen die es erlauben, hilft beim Abbau der Hitze und erhöht sowohl die Lebensdauer der Bremsbeläge und steigert ebenfalls die Bremsleistung.

Welche Faktoren beeinflussen die Bremskraft am meisten?

Das Prinzip der Scheibenbremse beruht auf der Reibung zwischen den Belägen und der Scheibe und der Hebelwirkung, die effektiv auf das Laufrad wirkt. Im Folgenden erklären wir, welchen Einfluss welches Bauteil auf deine Bremsleistung hat.

1. Die Bremsanlage

Wie bei Schaltgruppen, gibt es auch bei Bremsanlagen verschiedene Serien bzw. Typen und zwischen den Typen eines Herstellers kann die Bremspower teileweise stark variieren. Günstigerer Bremsanlagen wie zum Beispiel die MT Serien von Shimano haben deutlich weniger Bremskraft und Bissigkeit im Vergleich zu den hochwertigeren XT und XTR Bremsen von Shimano. Das Verhältnis aus Kolben- und Hebelverhältnissen bestimmt über den Anpressdruck der Beläge und letztendlich die Verzögerung und Modulierbarkeit der Bremse.

2. Anzahl der Kolben am Bremssattel

Der Ein oder Andere kennt die Begriffe aus dem Automobil Bereich. An modernen Fahrrädern findet man meist Zwei- oder Vier-Kolben-Bremsanlagen. Eine Vier-Kolben-Bremse ist, generell gesprochen und verglichen in der gleichen Gruppe, kraftvoller als eine zwei Kolben Bremsanlage. Die größere Oberfläche des Bremsbelags einer Vier-Kolben-Bremsanlage benötigt einen geringeren Anpressdruck und leitet die Hitze besser ab, als der kleinere Bremsbelag einer Zwei-Kolben-Bremsanlage.

Die aktuellen SLX, XT und XTR Bremsen gibt es sowohl als Zwei- als auch als Vier-Kolben-Varianten um die unterschiedlichen Einsatzzwecke abzudecken. Eine Vier-Kolben-Bremsanlage ist schwerer und daher nur sehr selten an leichten Bikes wie zum Beispiel Cross Country Hardtails zu finden. Unterscheiden sollte man allerdings eben auch zwischen den Serien.

3. Durchmesser Bremsscheiben

Eine größere Bremsscheibe erhöht ganz einfach den Hebel der Bremse. Das bedeutet zum einen mehr Kraft, jedoch auch mehr Bissigkeit und erfordert daher eine gefühlvollere Dosierung bei rutschigen Streckenbedingungen. Standardmäßig finden sich meist 180 - 200mm Bremsscheiben an modernen Fahrrädern. Bei leichten Cross Country Bikes oder Trekkingrädern, die nicht wahnsinnig viel Bremsleistung erfordern, sind auch 160 mm Durchmesser zu finden. Der kleinste Durchmesser von 140 mm ist ausschließlich an Rennrädern zu finden.

4. Material des Bremsbelags und Variante der Bremsscheibe

Jeder Hersteller von Bremsanlagen stellt diverse Varianten von Bremsbelägen und Scheiben her. Dabei sind die Verwendungszwecke recht unterschiedlich und an die Art des Bikes bzw. den Fahrstil des Fahrers angepasst.

Niedrige Vibrationen, lange Lebensdauer oder eben maximale Bremsleistung. Je nach Einsatzbereich, Fahrtechnik und Präferenz kann man sich die Beläge aussuchen. Welche Belags-Mischungen mit welchen Bremsscheiben am besten zusammen spielen, muss bei jedem Hersteller individuell beachtet werden.

Für Mountainbiker ist auch interessant, dass die unterschiedlichen Belagsmischungen für verschiedene Wetterverhältnisse gedacht sind. So sind beispielsweise Shimanos Sinter Beläge besser für widrige Witterungsbedingungen geeignet als die Kunstharz Versionen.

Fazit

Wer maximale Bremskraft oder das komfortabelste Bremsverhalten haben möchte, muss immer mit Abzügen in anderen Belangen rechnen. Eine sehr leistungsstarke Bremsanlage wird mehr Geräusche erzeugen und schwieriger zu dosieren sein, als eine normale Bremse. Unter Umständen kann eine sehr bissige Bremse gefährlich sein, denn zieht man sie im falschen Moment minimal zu stark, kann das ein Wegrutschen in einer Kurve oder den Überschlag über den Lenker auslösen. Andersherum kann die Bremsleistung einer sehr komfortablen Bremse eventuell nicht ausreichen.

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