Leiden in Alpe d'Huez

Die Bergetappen bei der Tour de France 2018

28. Juni 2018
Die Bergetappen bei der Tour de France 2018

Die 21 Serpentinen hinauf nach Alpe d'Huez sind der wohl berühmteste Anstieg im Radsport. 2018 steht die Bergankunft in dem französischen Retorten-Skiort zum 30. Mal auf dem Etappenplan der Tour de France. Ungewöhnlicherweise bereits in der Mitte der Rundfahrt. Dennoch dürfte an dem legendären Gipfel zumindest eine Vorentscheidung fallen.

Wer den Schlussanstieg nach Alpe d'Huez einmal live an der Strecke miterlebt hat, wird dieses Spektakel nie mehr vergessen! Keine TV-Übertragung ist in der Lage, die verrückte Stimmung auch nur annähernd wiederzugeben. Karneval in Rio ist nichts dagegen! Rund eine Million Zuschauer bilden einen 14,5 Kilometer langen Korridor, durch den sich die Rennfahrer nach oben ins ersehnte Ziel kämpfen. Ein ebenso beeindruckendes Erlebnis ist es, den Anstieg selbst einmal zu meistern. Zum Beispiel einen Tag vor dem Rennen, wenn bereits eine unerträgliche Spannung über dem Berg liegt. Viele Fans richten sich dann bereits an der Strecke ein und feuern die Hobbyfahrer an, so dass man sich selbst wie im Rennen vorkommt. Gänsehaut pur! Jedem Fahrer dürfte dabei die dominierende Farbe Orange ins Auge stechen, im Outfit der Menschen und in den Graffities auf dem Asphalt. Denn zahlreiche Siege von Niederländern, vor allem in den Siebziger- und Achtziger Jahren, haben Alpe d'Huez zum Berg der Holländer gemacht. Seinen Höhepunkt erreicht der Oranje-Hexenkessel an der Friedhofskurve unterhalb des Dorfs Huez. Dort hat man aber erst die Hälfte der Tortur hinter sich.... Eine detaillierte Beschreibung des Anstiegs folgt weiter unten im Text.

Entscheidung in dünner Luft

Fast seit der ersten Austragung der Tour de France im Jahr 1903 fallen die wichtigsten Entscheidungen auf den Bergetappen. Auf den steilen Rampen der Alpen und Pyrenäen trennt sich die Spreu vom Weizen. Nur wer neben dem Einzelzeitfahren auch gut die Berge hinauf kommt, kann die Tour de France gewinnnen! Als erste offizielle Bergetappe in der Tour-Geschichte gilt die legendäre Pyrenäenetappe aus dem Jahr 1910: Mit schweren Stahlrädern und ohne Gangschaltung plagten sich die Fahrer über die Pässe Peyresourde, Aspin, Tourmalet und Aubisque. Kein Wunder, dass der spätere Sieger jener Tour, Octave Lapize, die Organisatoren als Mörder beschimpfte. Noch heute bilden diese vier Pässe oft den Verlauf einer Königsetappe. Drei davon (Aspin, Tourmalet und Aubisque) auch in diesem Jahr, auf der 19. Etappe. Und vermutlich wird erst dort der Sieger der Tour 2018 feststehen - nicht in Alpe d'Huez, das bereits am Ende der 12. Etappe auf die Profis wartet.
Ein weiterer Rückblick auf die Geschichte der Tour: In den Alpen ging es erstmals im Jahr 1911 hoch hinaus, und zwar gleich über den 2642 Meter hohen Col du Galibier!

Knallhart, der Galibier stellt selbst die fittesten Radler vor eine große Herausforderung.

Bei den nächsten Austragungen folgten Col d'Izoard, Col de Vars und Col de la Croix de Fer. Eine klassische Etappe führte stets von Nizza nach Briancon, über die Pässe Bonette, Vars und Izoard. Im heutigen Zeitalter des Carbon-Leichtbaus ist es kaum vorstellbar, welche Strapazen die Fahrer erleiden mussten. Noch dazu gab es statt glatten Asphaltes nur grobe Schotterpisten über die Berge. Weitere Klassiker wie der Mont Ventoux oder Alpe d'Huez fanden ihren Weg erst spät ins Profil der Tour, nämlich 1951 und 1952.

Die Pässe und Bergankünfte bei der Tour de France 2018

Die 105. Tour de France läuft von 7. bis 29. Juli. In den drei Wochen müssen die Profis 3351 Kilometer abspulen.

Die wichtigsten Bergetappen und Pässe in den Alpen:

10. Etappe (17. Juli), Annecy - Le Grand-Bornand, 158,5 km

  • Col de la Croix Fry (11,3km / Ø 7%)
  • Montée du Plateau du des Glières (6km / Ø 11,2%, Anstieg teils auf Schotterweg!)
  • Col de Romme (8,8km / Ø 8,9%)
  • Col de la Colombière (7,5km / Ø 8,5)

11. Etappe (18. Juli), Albertville - La Rosière, 108,5 km

  • Montée de Bisanne (12,4km / Ø 8,2%)
  • Col du Pré (12,6km / Ø 7,7%)
  • Cormet de Roselend (5,7km / Ø 6,5%)
  • La Rosière (17,6km / Ø 5,8%, Bergankunft)

12. Etappe (19. Juli), Bourg-Saint-Maurice - Alpe d'Huez, 175,5 km

  • Col de la Madeleine (25,3km / Ø 6,2%)
  • Col de la Croix de Fer (29km / Ø 5,2%)
  • Alpe d'Huez (13,8km / Ø 8,1%, Bergankuft)

Die wichtigsten Bergetappen und Pässe in den Pyrenäen:

16. Etappe (24. Juli), Carcassonne - Bagnères-de-Luchon, 218 km

  • Col de Portet d'Aspet (5,4km / Ø 7,1%)
  • Col de Menté (6,9km / Ø 8,1%)
  • Col du Portillon (8,3km / Ø 7,1%)

17. Etappe (25. Juli), Bagnères-de-Luchon - Saint-Lary-Soulan, 65 km

  • Montée de Peyreagudes (14,9 km / Ø 6,7%)
  • Col de Val Louron-Azet (7,4km / Ø 8,3%)
  • Col du Portet (16km / Ø 8,7%, Bergankunft)

19. Etappe (27. Juli), Lourdes - Laruns, 200,5 km

  • Col d'Aspin (12km / Ø 6,5%)
  • Col du Tourmalet (17,1km / Ø 7,3%)
  • Col des Bordères (8,6km / Ø 5,8%)
  • Col d'Ausbisque (16,6km / Ø  4,9%)


Detaillierte Infos unter www.letour.fr

Alpe d'Huez - 21 Serpentinen in den Radsport-Himmel

Als bergbegeisterter Rennradsportler bin ich den Anstieg nach Alpe d'Huez bereits in den achtziger Jahren erstmals hochgefahren. Es folgten weitere Kletterpartien im Zuge von Reportagen über die Tour de France. Die Frage: Muss man als Radsportler einmal im Leben nach Alpe d'Huez hinauf gefahren sein?

Ein beeindruckendes Panorama entschädigt für die Strapazen, wie hier am Croix de Fer.

Genau deshalb pilgern tausende Radsportler jeden Sommer in die französischen Alpen, ins Département Isère. 50 Kilometer östlich von Grenoble liegt der Ort Bourg d'Oisans, am Fuß des Anstiegs nach Alpe d'Huez. Ursprünglich handelt es sich um die Straße zum Bergdorf Huez. Von dort aus führte ein Weg weiter nach oben zur „Alp (Alm) von Huez“. Auf dem Plateau entwickelte sich bereits ab den Dreißiger Jahren ein Skigebiet. Und so wuchs am Fuß des Dreitausenders Pic Blanc ein für französische Verhältnisse typisches Retorten-Skiresort. Abgesehen vom Tag des Tour-de-France-Gastspiels verströmen die größtenteils vernagelten Hotelburgen ein recht trostloses Ambiente. Aber wegen der Schönheit ist man als Radsportler ja nicht angereist. Eher wegen der Schmerzen in den Beinen.

Ein Blick auf die Fakten: Es geht rund 14 Kilometer bergauf, mit einer durchschnittlichen Steigung von 8,4 Prozent. Die steilsten Rampen warten gleich auf den ersten drei, vier Serpentinen (ca. 10%) und bei Kilometer zehn (ca. 11%). Das ist sportlich aber keineswegs brutal. Zumal die Steigung insgesamt recht gleichmäßig verläuft und der glatte Asphalt sehr gut rollt. Die zahlreichen Haarnadelkurven sorgen für Kurzweil. In jeder Kehre erinnert ein Schild an einen der vergangenen Etappensieger, von Fausto Coppi (1952) bis Thibaut Pinot (2015). Außerdem wird das Panorama zu den vergletscherten 4000ern des Pelvoux-Bergmassivs mit jedem Höhenmeter beeindruckender. Für sich betrachtet ist der Anstieg also für einen gut trainierten Hobbyradler eine durchaus lösbare Aufgabe. Noch dazu, wenn man am frühen Morgen ausgeruht losfährt.

Bei der Tour de France jedoch zeigt Alpe d'Huez ein ganz anderes Gesicht. Es sind die extremen Bedingungen während des Rennens, die diesen Anstieg zu einem der gefürchtetsten im Profi-Peloton werden lassen. Wenn die Fahrer durch Bourg-d'Oisans zum Fuß der Rampe rasen, haben sie in der Regel bereits zwei bis drei Passüberquerungen und rund 4000 Höhenmeter in den Beinen. Im Renntempo versteht sich!

Bei der diesjährigen Etappe sind dies der Col de la Madeleine (2000 m) und der Col de la Croix de Fer (2067 m), beides schwere Berge der höchsten TdF-Kategorie (HC). Bei schönem Wetter hat die Sonne den Südhang seit den Morgenstunden kontinuierlich aufgeheizt, so dass bei Ankunft um etwa 16 Uhr unmenschliche Temperaturen von bis zu 30 Grad herrschen. Sicher, die Favoriten haben sich bis zum Schluss so weit möglich im Windschatten ihrer Mannschaftskollegen geschont. Trotzdem machen all diese Faktoren die finalen 1000 Höhenmeter für viele Fahrer zur Hölle.

Selbst wenn der Lärm von einer Million Fans Flügel verleihen kann! Übrigens: Den Streckenrekord hält bis heute der Italiener Marco Pantani, der im Jahr 1997 die letzten 14,5 Kilometer in 37:35 Minuten zum Etappensieg (und letztendlich auch Toursieg) hinauf stürmte.

 

Mein Fazit: Ein Besuch in den französischen Hochalpen lohnt sich für Pässe-Fans auf jeden Fall. Zumal im Umkreis von Alpe d'Huez zahlreiche weitere (und landschaftlich schönere) Anstiege locken. Zum Beispiel der legendäre Col du Galibier. Oder das Netz aus Bergstraßen rund um Col du Glandon und Col de la Croix de Fer.

 

 

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